Eine wichtige Maßnahme des nachhaltigen Wirtschaftens ist, seine Anspruchsgruppen zu kennen, mit ihnen über ihre Ansprüche zu sprechen und das entsprechend den Unternehmenszielen einzuordnen.

Das klingt erst mal nach Arbeit. Ist es auch. Und zwar eine, die sich langfristig lohnt: Der Dialog bietet viele Chancen und fängt mögliche Risiken ab. Denn er verbessert den Ruf des Unternehmens und ermöglicht es, schneller auf Veränderungen z.B. von Kundenanforderungen zu reagieren.

Was sind Anspruchsgruppen? Und was sind Stakeholder? Stakeholder oder Anspruchsgruppen sind Gruppierungen, die vom Wirtschaften des Unternehmens direkt oder indirekt betroffen sind, und können Ansprüche an das Unternehmen geltend machen.

Anspruchsgruppen sind ganz offensichtliche Gruppen wie Kunden, Investoren, Mitarbeiter und Lieferanten.

Wer kümmert sich um die Ansprüche der Gesellschaft, der Umwelt oder Kinder und Enkel?
Diese Anspruchsgruppen sind Regierung, Verbraucherschutz-Organisationen oder NGOs (non-governmental organisations, also Nicht-Regierungs-Organisationen). Beispiele für NGOs sind Greenpeace, Amnesty International oder germanwatch. Oder lokaler in München das Nord-Süd-Forum, das die Stadt München bei nachhaltiger Beschaffung berät.

Der Dialog mit Kunden, Investoren und Mitarbeitern sollte für Unternehmen selbstverständlich sein, denn dabei kann man viel lernen und viel im Verständnis verbessern. Letztendlich führt ein regelmäßiger Dialog auf Augenhöhe zu mehr Vertrauen.

Welche Ansprüche haben die unterschiedlichen Gruppen?

Das können Sie am besten im Dialog feststellen. Die folgenden Punkte am Beispiel Mitarbeiter werden mehr oder weniger oft zutreffen:

Die Bedürfnisse werden sicher in den einzelnen Branchen unterschiedlich ausgeprägt sein. Die Bedürfnisse „Sinnvolle Tätigkeit“ und „Sich einbringen“ wird sicher bei „Knowledge Workern“ oder Kopfarbeitern häufiger genannt werden – nicht jeder will Freiräume haben und seine Kreativität ausleben. Wenn das allerdings die richtigen Leute dürfen, ist das eine gute Antwort auf die Frage nach dem Umgang mit Komplexität: Diversität und Freiräume ermöglichen es, angepasste Lösungen auf sich verändernde Markt- und Kundenanforderungen zu finden.

Was kommt bei so einen Dialog heraus?

  • Das Unternehmens versteht, was denn der einzelnen Anspruchsgruppe wichtig ist und was weniger.
  • Die Anspruchsgruppe(n) verstehen, was dem Unternehmen wichtig ist.
  • Damit lässt sich eine Materialitäts-Matrix (oder Wesentlichkeits-Matrix) erstellen, die zeigt, was Unternehmen und Anspruchsgruppen wichtig ist. Das ist die Basis für die weiteren Aktionen für mehr und wirksame Nachhaltigkeit.

Die unterschiedlichen Anspruchsgruppen werden vermutlich auch sich widersprechende Anforderungen haben (klassischerweise Investoren und Mitarbeiter bei der Frage der Bezahlung) oder sich mit den Vorstellungen der Unternehmen widersprechen.
Wenn dieser Dialog ernsthaft, authentisch und langfristig geführt wird, ist der Dialog selber wichtiger als die Übereinstimmung in allen Punkten. Denn so entsteht Vertrauen.

Die Materialitäts-Matrix oder (Wesentlichkeits-Matrix) zeigt, was dem Unternehmen wichtig ist und was den Anspruchsgruppen wichtig ist. Hier muss das Unternehmen eine Gewichtung vornehmen. Denn nachhaltig wirtschaften heisst ja, die Balance zwischen Wirtschaften und Ansprüchen zu halten.

Diese Matrix ist ein wichtiger Input für die Nachhaltigkeits-Strategie und dem Nachhaltigkeits-Management. Sie darf auch im Nachhaltigkeits-Bericht nach den neuen Richtlinien nicht fehlen (GRI 4, Pflicht ab 2017).
Sie hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, also was rechts oben steht, und für Anspruchsgruppen und Unternehmen „sehr wichtig“ ist.

Hier ein Beispiel vom Fraunhofer UMSICHT Institut (im Bericht 2014):

Wann macht man einen Dialog mit den Anspruchsgruppen?

Der Dialog startet idealerweise mit dem Aufsetzen der Nachhaltigkeits-Strategie, damit man die Wesentlichkeits-Matrix bereits dazu verwenden kann, sich auf das Wichtigste zu konzentrieren.
Da man da allerdings mit der Nachhaltigkeit noch am Anfang steht, und eventuell noch keinen guten Kontakt zu externen Anspruchsgruppen hat, kann man mit den internen anfangen. Die eigenen Mitarbeiter, Investoren und ausgewählte Kunden sollten in die Strategie sowieso mit einbezogen werden.

Bei der Überprüfung der Nachhaltigkeits-Politik und der Maßnahmen, und als Basis für den Bericht, kann man sich die Materialitäts-Matrix regelmäßig anschauen. Wünsche ändern sich öfter mal, die zugrunde liegenden Werte bleiben meistens stabil. Allerdings können Veränderungen im Markt durch neue Anforderungen oder Unzufriedenheit mit bisherigen Lösungen das Potential bieten, neue Angebote zu erzeugen. Deshalb ist der Dialog immer eine Methode der Strategie, um nahe am Markt zu sein.

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Anspruchsgruppen und Stakeholder-Dialog

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